Ein Plädoyer für MFT

Einer der Hauptfaktoren für gute Fotos ist die Größe und Qualität des Sensors. Ein größerer Sensor ermöglicht es, einfach mehr gleichzeitige Informationen über das Bild aufzunehmen. Insbesondere bei dunkler Umgebung (und hohen ISO-Werten), höchstauflösenden Fotos und anderen speziellen Aufgaben (z.B. Porträts) ist ein großer Sensor von Vorteil. Bei den größeren Kameras ist MFT jedoch neben APSC und Vollformat der kleinste der üblichen Sensoren. Den beiden wichtigsten Herstellern gelingt es aber, auch Vorteile aus dem kleinen Sensor zu ziehen. Damit sollte MFT aus dem Kamerabereich nicht weginoriert werden, wie es leider häufig getan wird.

Der kleinere Sensor ermöglicht zum Beispiel ein schnelleres Auslesen der Bildinformationen. MFT-Kameras sind somit schneller als ihre großen Verwandten der gleichen Preisklasse. Mehr Bilder pro Sekunde sind möglich, ob nun mit oder ohne Autofokus.

Der kleinere Sensor ermöglicht eine einfachere und schnellere Bildstabilisation. Hier übertreffen sie selbst die erheblich teureren großen Kameras deutlich. Insbesondere für Hobbyfotografen, Wildlife, Reise und Videographie ist dies durchaus interessant.

Insgesamt scheinen viele MFT-Kameras mehr Bilder pro Sekunde zu ermöglichen als ihre großen Verwandten in gleicher Qualitätsstufe. Meine OM-D E-M5 von Olympus schafft 11-15 Bilder pro Sekunde, das ist schon relativ viel. Dies ist bei Wildlife durchaus eine sinnvolle Eigenschaft.

Der kleinere Sensor ermöglicht kleinere Objektive. Hier spielen die Hersteller ihren Hauptvorteil aus: Die Bilddiagonale ist selbstverständlich auch in den Objektiven deutlich kleiner. Insbesondere bei Teleobjektiven fällt dies deutlich auf: Das Panasonic Leica Vario 100-400 mm (Äquivalent bei Vollformat: 200-800 mm) f4.0-f6.3 spielt qualitativ in der oberen Liga, wiegt knapp 1 kg und kostet etwa 1.200 €. Vergleichbare Daten und vergleichbare Qualität wiegen und kosten für die größeren Sensoren ein Vielfaches! Ergebnis: Da das Budget meistens ja begrenzt ist, wird dann niedrig- und mittelpreisig bei Vollformat gekauft, statt für das gleiche Geld hochwertig im MFT Bereich einzukaufen. Ob dann die Qualitätsunterschiede immer noch so groß sind, darf jeder für sich entscheiden.

Die kleineren und leichteren Kameras und Objektive ergeben insgesamt weitere Vorteile: Die Stative müssen weniger tragen, auch hier kann also an Eigengewicht und Geld gespart werden. Auch kleinere Taschen / oder Rucksäcke sind möglich.

Ein weiterer Vorteil von MFT: Es ist nicht mehr ganz neu und wird von mehreren Herstellern unterstützt. Aktuell sind Panasonic und Olympus die beiden führenden kamerahersteller, aber alleine mindestens 6 gute Objektivhersteller sorgen für Konkurrenzkampf. Man kann also je nach belieben und Bedarf nach- und dazukaufen oder sich etwas leihen. Auch dies drückt natürlich deutlich im Preis.

Ist MFT zukunftssicher? Die Antwort liefern die Hersteller selbst: Olympus hat gerade mit der OM-D E-M1X eine neue MFT-Kamera der Oberklasse herausgebracht, für die OM-D E-M5 einen Nachfolger angekündigt. Panasonic steigt zwar auch gerade ins Vollformat-Geschäft ein, aber auch für die MFT-Kameras gibt es Ankündigungen für Nachfolger. Auch bei den Objektiven tut sich einiges. Die ersten Journalisten sehen eher APSC als zukunftsunsicher an. Es ist einfach zu dicht am Vollformat, als dass es sich langfristig lohnen würde.

Ich habe mich persönlich aus einem vorrangigen Grund für MFT entschieden: Das Gewicht. Meine komplette Kameraausstattung wiegt nur wenige Kilogramm. Was bringt mir eine teure Kameraausstattung, wenn ich diese wegen des Gewichts nicht, oder nur als Minimun mitnehme?

Der zweite Vorteil für mich ist der gute Bildstabilisator: Vor allem die Tierbilder sind mit Teleobjektiv fotografiert – und das meistens aus der Hand. In Costa Rica fotografiere ich nicht selten von einem wackligen Boot aus. Verwackelt sind meine Bilder selten.

Da ich keine Plakatwände aus meinen Bildern machen lasse, ist der einzige Nachteil für mich das Bildrauschen bei hohen ISO-Werten. Dies kann ich zumt Teil durch den sehr guten Bildstabilisator ausgleichen, aber auch durch gute Brennweiten. Meine Landschafts-Festbrennweite erreicht scharfe f0.95 (Voigtländer Nokton 10,5 mm f0.95). Nur bei bewegten Tieren in dunklerer Umgebung komme ich an die Grenzen der Möglichkeiten. Da ich aber an Orten fotografiere, wo ich auch keine Vollformat mit Teleobjektiv hinschleppen würde, kann ich das auch nicht wirklich als Nachteil sehen.

Wenn ich mir die Fotoqualität der heutigen Handys anschaue oder die Fotoqualität meines Copters (DJI Mavic 2 pro) zeigt dies für mich auch vor allem eins: In wenigen Jahren werden die MFT-Sensoren die jetzige Qualität der Vollformat-Sensoren erreicht haben – hier ist noch längst nicht das Ende erreicht.

Zum Schluss bleibt nur eines zu sagen: Die Kamera, die Objektive, der PC zum nachbearbeiten sind nur Werkzeuge. Der Großteil der Arbeit besteht aus Können und Kreativität des Fotografen. Selbstverständlich hat die Technik auch ihre Grenzen – aber die meisten Grenzen haben wir in unseren Köpfen.

Das Beitragsbild zeigt meine Olympus OM-D E-M5 mit dem 14-150 mm Kitobjektiv. Daneben das Panasonic Leica Vario 100-400 mm f4.0-6.3.

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Bericht.

    Nachdem Nikon 1, Samsung mini und Pentax Q vom Markt verschwunden sind, ist das MFT System das System mit dem kleinsten Sensor mit Wechseloptik.

    LG Bernhard

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